Island Reisebericht (4): Der Westen

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Der Westen beheimatet die vermutlich meistfotografierte Szenerie auf Island. Der Kirkjufell samt Kirkjufellsfoss ist ein herrlicher Ort, den jeder, der gerne fotografiert, besucht haben sollte. Aber wie überall auf Island gibt es auch hier noch viel mehr zu entdecken. Aber seht und lest selbst.


Tag 9: Fahrt in den Westen, Robben bei Vatnsnes, Grundarfjördur, Kirkjufell und Kirkjufellsfoss
Tag 10: Ytri Tunga Beach, Budir, Lavafelder, Arnarstapi
Tag 11: Abreisetag, Hraunfossar, Reykjavik, Abflug


Hier geht es zur Galerie mit mehr Bildern vom Westen Islands.


Tag 9: Fahrt in den Westen, Robben bei Vatnsnes, Grundarfjördur, Kirkjufell und Kirkjufellsfoss

Am Morgen des neunten Tages machten wir uns auf zu unserer vierten und damit schon letzten Unterkunft ganz im Westen Islands. Es ging nach Grundarfjördur ins Grundarfjördur Guesthouse and Apartements*. Um dorthin zu gelangen, stand uns auch hier wieder eine lange Fahrt von über 450 km bevor. Unseren ersten Stop machten wir nach etwa einer Stunde Fahrt in Akureyri. Einen kleinen Spaziergang durch die Straßen und einen leckeren Kaffee später, saßen wir wieder im Auto und fuhren weiter auf der 1 Richtung Westen. Einen zweiten Abstecher machten wir dann zur Halbinsel Vatnsnes, um hier nach Robben Ausschau zu halten.

Robbe bei Vatnsnes

Nachdem wir das auch erledigt hatten, mussten wir uns schleunigst an die Weiterfahrt machen, da es schon recht spät geworden war. Eigentlich wollten wir noch irgendwo etwas essen gehen, wofür nun aber keine Zeit mehr blieb. Um jedoch den Hunger zu stillen, der sich nun so langsam bemerkbar machte, kauften wir uns in Hvammstangi an einer der Imbiss-Tankstellen, die es überall auf Island gibt, eine große Portion Fritten für den Schnäppchenpreis von umgerechnet ca. 10 €. Die Portion war allerdings wirklich groß und Majo gab es auch noch dazu. Etwa 2,5 Stunden später waren wir dann in Grundarfjördur. Die Uhr zeigte 20:55 Uhr und die Dame am Empfang begrüßte uns mit einem freundlichen „Oh, you are just in time.“, was ganz trefflich war, da der Check-In bis 21 Uhr möglich war. Das war wirklich knapp. Die Zimmer des Grundarfjördur Guesthouse and Apartements* befinden sich in einem Gebäude am Hafen, welches zudem über einen großzügigen Gemeinschaftsraum mit Küche verfügt.

Von Grundarfjördur aus ist der Kirkjufellsfoss fußläufig erreichbar, was unser Hauptbeweggrund war, hier eine Unterkunft zu buchen. Nachdem wir uns im Zimmer eingerichtet hatten, machten wir uns dann zum Sonnenuntergang auch dorthin auf.

Die Wolken hingen zwar recht tief, aber ich hatte die Hoffnung, dass es noch etwas aufklart und die Wolken dann mit dem herrlichen Licht des Sonnenunterganges bestrahlt werden. Auf dem Weg begegneten wir noch einer Truppe Isländer, die im Garten-Whirlpool lautstark und etwas angeheitert den Sieg der Isländer über Österreich bei der EM 2016 feierten. Nach einem kurzen Plausch machten wir uns auf den weiteren Weg und der führte mitten durch eine Kolonie Küstenseeschwalben, die offensichtlich gerade auf der angrenzenden Wiese brüteten. Ich hatte vor unserer Reise schon gelesen, dass diese Vögel während der Brut äußerst aggressiv reagieren, wenn man ihnen zu nah kommt. Glücklicherweise gibt es aber einen einfachen Trick. Die Vögel greifen immer den höchsten Punkt an. Der Fotograf nimmt also sein Stativ in die Hand (alternativ hilft ein Stock oder Regenschirm) und hält dieses in die Luft. Somit sind die Küstenseeschwalben mit dem Stativ beschäftigt. Wirklich attackiert haben die Vögel das Stativ in unserem Fall zwar nicht, aber die lautstarken Drohungen etwas weiter von unseren Köpfen fern zu halten, fühlte sich dennoch besser an.

Die Küstenseeschwalbe.

Am Kirkjufellsfoss angekommen, baute ich die Kamera auf. Zu dieser Zeit hatte ich noch freie Platzwahl. Ich suchte mir also meine gewünschte Perspektive und machte alles bereit. Mit abnehmenden Sonnenstand füllte sich das Flussufer mit Fotografen und Stativen. Einige wenige von ihnen stapften allerdings ohne Rücksicht auf Verluste über Stativbeine und Equipment. Das war wirklich eine Fotografen-Rushhour. Wir machten es uns derweil hinter der aufgebauten Kamera, die auf Dauerfeuer gestellt war, gemütlich und genossen den Sonnenuntergang bei einem mitgebrachten Schlückchen Whiskey. Leider blieb die Spitze des Kirkjufells die ganze Zeit durch die Wolken verschleiert und es zog vor dem Sonnenuntergang sogar noch weiter zu.

Der Kirkjufellsfoss. Einer der bekanntesten Orte auf Island.

Somit machten wir uns noch im Restlicht auf den Rückweg, was uns noch weitere schöne Perspektiven bot.

Der Kirkjufell bei Sonnenuntergang seitlich betrachtet.

Tag 10: Ytri Tunga Beach, Budir, Lavafelder, Arnarstapi

Am nächsten Morgen fuhren wir nach dem Frühstück zuerst an die gegenüberliegende Küste zum Ytri Tunga Beach in der Hoffnung, dort vielleicht noch etwas näher an Robben oder Seehunde heran zu kommen als am Vortag. Neben den Robben haben wir hier noch einige weitere interessante Vögel und Kuriositäten gefunden, wie den vermeintlichen Rippenbogen eines Meeressäugers oder das Gerippe eines Seeteufels. Etwas weiter die Küste hoch befindet sich die kleine Kirche Budir.

Budir – eine kleine, schwarze Kirche am Fuße des Snaefellsjökull.

Die schwarze Kapelle liegt direkt am Rande eines überwucherten Lavagebietes, welches sich wirklich toll zum Wandern eignet. Es gibt angedachte Wege, die manchmal allerdings nicht so einfach zu erkennen sind. Die Lavafelsen haben sich im Laufe der Jahre zu interessanten Skulpturen entwickelt, durch die man erahnen kann, woher der isländische Hang zu Sagen und Mythen rund um Trolle und Elfen kommt.

Skulpturen im Lavafeld.

Auf dieser Wanderung haben wir mit dem Knutt sogar noch einen weiteren Vogel entdeckt, den wir bis dato nirgendwo sonst zu Gesicht bekommen haben.

Ein sehr seltener Gast. Der Knutt.

Als nächstes machten wir in Arnarstapi halt. Hier gibt eine kleine Aussichtsplattform eigentlich ein wunderbares Panorama mit einem kleinen Haus an der Steinküste vor dem Massiv des Snaefellsjökull frei. Dieser versteckte sich jedoch an diesem Tag hinter den dichten Wolken und war nicht einmal zu erahnen. Außerdem führen in Arnarstapi kleine Pfade zu einem begehbaren Steinbogen an der Küste, der bei Touristen immer ein gerne gesehenes Fotoobjekt ist.

Steinbogen bei Arnarstapi

Von hier aus fuhren wir immer weiter die Küstenstrecke entlang und genossen die Aussichten. Als wir ganz im Westen der Landzunge angekommen waren, gab die Wolkendecke dann doch einen ganz kurzen Blick auf den Snaefellsjökull frei.

Als wir dann am Abend wieder in Grundarfjördur angekommen waren, wollten wir zum Abschluss unseres Urlaubs noch einmal Essen gehen und fanden im Laki Hafnarkaffi einen netten Laden, in dem wir leckere Pizza und ein großes Bier genießen konnten.

Tag 11: Abreisetag, Hraunfossar, Reykjavik, Abflug

Da unser Flug zurück in die Heimat erst sehr spät ging, hatten wir glücklicherweise noch den gesamten Tag Zeit, uns auf der Fahrt zurück zum Flughafen einige Dinge anzusehen. Somit konnten wir uns noch die Hraunfossar ansehen. Das ist ein Gebiet in dem Wasser in einem Lavafeld versickert und in Form von hunderten kleinen Kaskaden aus diesem wieder austritt. In Verbindung mit dem blauen Gletscherwasser ist das ein wirklich tolles Naturschauspiel.

Die Kaskaden der Hraunfossar

Außerdem haben wir uns an diesem letzten Tag noch die Hauptstadt Reykjavik angeschaut, die wir bei unserer Ankunft bewusst ausgespart hatten, da wir den Fokus auf die wunderbare Natur Islands legen wollten. Diese Entscheidung war rückblickend betrachtet natürlich goldrichtig, allerdings war ich dennoch sehr positiv überrascht von einem sehr lebendigen, jungen und modernen Reykjavik. Die Kamera blieb ab hier aber fest im Rucksack verstaut, da es immer mal wieder kurz und heftig schauerte.

Nun mussten wir also Abschied nehmen von Island, was uns sehr schwer fiel. Es waren einfach unvergessliche Momente in atemberaubender Natur, die wir dort erleben durften. Wir können nur jedem empfehlen, sich die Insel einmal mit eigenen Augen und natürlich einer Kamera anzuschauen.


Hier geht es zur Galerie mit mehr Bildern vom Westen Islands.


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