Island Reisebericht (3): Der Norden

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Im Norden Islands kommt man dem Polarkreis extrem nah. Demnach ist die Mitternachtssonne zur Sommersonnenwende von hier aus am besten zu beobachten. Darüber hinaus hat der Norden mit der Region Myvatn eine der tierreichsten Regionen auf Island und insbesondere einige europaexklusive Brutgebiete von Wasser- und Landvögeln zu bieten. In Husavik gibt es darüber hinaus die Möglichkeit zu einer Walbeobachtung aufzubrechen und nirgendwo sonst soll die Wahrscheinlichkeit Wale und Delphine zu sehen, höher sein als hier.


Tag 6: Fahrt zum Myvatn, Sænautasel, Hochtemperaturgebiet Hverarönd, Godafoss
Tag 7: Waltour in Húsavík, Hufeisenschlucht Ásbyrgi, Dettifoss
Tag 8: Myvatn, Pseudokrater, Grjótagjá, Myvatn Nature Bath


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Tag 6: Fahrt zum Myvatn, Sænautasel, Hochtemperaturgebiet Hverarönd, Godafoss

Um zu unserer nächsten Unterkunft zu gelangen, fuhren wir am 6. Tag nicht wie am Vortag die Küstenstrecke, sondern nahmen die Ringstraße. Einen Abstecher hatten wir jedoch auf dem Weg fest eingeplant. Wir wollten zum Sænautasel, einem Hof, dessen Gebäude komplett mit Gras bewachsen und so dem traditionellen isländischen Baustil nachempfunden sind. 1992 wurde der Hof der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Hier bekommt man ‚Lummur‘ serviert, kleine isländische Pancakes mit Rosinen. Dazu wird Rhabarber Marmelade und heiße Schokolade, Kaffee oder Tee gereicht. Wer einen Islandpullover oder andere Strickwaren als Souvenir mitnehmen möchte, hat hier ebenfalls die Gelegenheit, sich damit einzudecken. Die Atmosphäre dieses Ortes sowie die leckeren Lummur mit Marmelade sind definitiv einen Abstecher wert.

Häuser des Sænautasel

Nachdem wir uns hier satt gegessen hatten, fuhren wir unserer dritten Unterkunft entgegen. Kurz bevor wir den Myvatn erreichten, sahen wir schon aus der Entfernung, dass die Landschaft sich mit einem Schlag änderte. Wo vorher noch Gras und Lupinen die Straßenränder säumten, war plötzlich nur noch blankes Gestein im einem Farbspektrum zwischen Gelb und Rot zu sehen. Wir hatten das Hochtemperaturgebiet Hverarönd am Bergrücken Námafjall erreicht. Den starken Schwefelgeruch in der Luft empfanden wir als sehr unangenehm, aber die Ebene faszinierte mit ihrer Farbgebung, den rauchenden Steinschloten und den blubbernden Schlammlöchern so sehr, dass der Geruch schnell in Vergessenheit geriet.

Schlammloch im Hochtemperaturgebiet Hverarönd

Myvatn oder korrekterweise Mývatn bezeichnet sowohl die Region im Nord-Osten Islands, als auch den dort befindlichen See. Auf Deutsch übersetzt heißt es in etwa „Mückensee“. Dieser Übersetzung macht das Gewässer auch alle Ehre. Im Sommer tummeln sich hier riesige Mückenschwärme, die sich nur allzu gerne in Mund und Nase verirren. Glücklicherweise handelt es sich aber überwiegend um Zuckmücken, die nicht stechen können.  Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ein Buff-Halstuch und eine Sonnenbrille ungemein helfen, die Viecher von den Atemwegen und Augen fern zu halten. So nervig sie sind, sind sie aber auch essentiell wichtig für die Region, denn die Mücken sind der Grund für den Fischreichtum und das große Vogelvorkommen am See. Der Myvatn ist deshalb äußerst beliebt unter Ornithologen.

An diesem Tag hatten wir aber nicht viel Zeit, uns lange am See aufzuhalten, und fuhren weiter zum Kidagil Guesthouse*. Knapp 20 Minuten vor Erreichen des Gästehauses machten wir aber kurz Halt an unserem Hauswasserfall für die nächsten Tage, dem Godafoss (Goðafoss), was so viel bedeutet wie Götterwasserfall. Mit einem Foto von diesem Wasserfall im Winter siegte übrigens der Stolberger Markus van Hauten beim „Sony World Photography Awards 2016“ in der Kategorie „Panoramic“. Glückwunsch dazu!

Der Götterwasserfall (Godafoss)

Die letzten 20 Minuten zum Gästehaus führten über eine holprige Schotterpiste, die den Weg deutlich länger erscheinen ließ. Das Kidagil Guesthouse erinnert eher an eine deutsche Jugendherberge, was keineswegs abwertend gemeint ist. Die Zimmer waren auch hier sehr sauber und die Mitarbeiter extrem herzlich. Zum Sonnenuntergang am Abend bzw. in der Nacht machten wir uns nochmal auf zum Godafoss, um hier ein Foto im Abendlicht aufnehmen zu können.

Der Godafoss im Abendlicht

 

Tag 7: Waltour in Húsavík, Hufeisenschlucht Ásbyrgi, Dettifoss

Für unseren siebten Urlaubstag hatten wir von Zuhause aus schon eine Waltour vorgebucht. Diese startete in Húsavík, wohin wir uns an diesem Morgen also aufmachten. Húsavík ist ein 2200 Seelen-Ort im Norden Islands, der hauptsächlich aufgrund dieser Touren Bekanntheit erlangt hat. Mehrere Anbieter locken mit verschiedenen Angeboten. Wir hatten uns aber schon für „Gentle Giants“ entschieden und diese Entscheidung haben wir absolut nicht bereut. Seit 2001 veranstaltet Gentle Giants diese Touren hochprofessionell und uns begegneten dort super freundliche und höchst enthusiastische Mitarbeiter, die das Ganze zu einem tollen Erlebnis gemacht haben. Eigentlich sollte das keiner gesonderten Erwähnung wert sein, vor allem nicht auf Island, aber hier ist uns das besonders positiv aufgefallen.

Anlegestelle der Gentle Giants Flotte

Das erste Highlight der Tour war für Sylvia die Bootswahl. Denn wir fuhren mit einem Schiff, dass Ihren Namen trug.

Whale Watching mit der Sylvia

An Bord bekamen wir dann eine kurze Einweisung und warme Overalls verpasst, damit wir auf See nicht frieren. Dann ging es auch schon los. Ricardo, unser Guide, erzählte über das Bordmikrofon und in englischer Sprache eine ganze Menge Wissenswertes über die Meeresbewohner in dieser Region. Wir mussten mindestens eine halbe Stunde fahren, um zum gegenüberliegenden Bergrücken zu gelangen, wo sich die Wale aufgrund des Fischreichtums häufig aufhalten. Auf halber Strecke wirkte Ricardo plötzlich ganz aufgeregt, weil er gerade einen Blauwal entdeckt haben wollte. Nach einigen Minuten gespanntem in die Ferne blicken sahen wir tatsächlich eine stattliche Fontäne, die offensichtlich die eines Blauwals auf der Durchreise war. Mehr als die Fontäne bekamen wir von dem Riesen aber leider nicht zu Gesicht. Dafür begann kurze Zeit später die Show der Buckelwale. Zuerst waren es anscheinend nur zwei Tiere, die abwechselnd aus dem Wasser sprangen, um sich nach einer kurzen Drehung mit dem Rücken auf Wasser klatschen zu lassen. Später gesellten sich noch weitere Artgenossen hinzu und spendierten uns gute 20-30 Sprünge in allen Himmelsrichtungen. Ein beeindruckendes Schauspiel. Bei dem schaukelnden Boot war es gar nicht so einfach das Supertele bei 600 mm voll ausgefahren in die richtige Richtung zu halten, um dann zum korrekten Zeitpunkt abzudrücken. Dankenswerterweise gaben mir die Wale genügend Gelegenheit ein einigermaßen scharfes Bild zu bekommen. Irgendwann ließen sich sogar noch ein paar Weißschnauzendelfine blicken, bevor wir wieder zum Hafen zurückkehrten.

Ein Buckelwal lässt sich blicken

Auf der Rücktour gab es noch heißen Kakao, von dem ich zwei Tassen nahm, da Sylvia die Rückfahrt nicht so gut bekam. Wir schlenderten noch ein wenig durch Húsavík bevor wir weiterfuhren. Außer der Holzkirche, ein paar netten Läden und dem Walmuseum gibt es hier aber nicht viel mehr zu entdecken.

Die Holzkirche von Húsavik

Als nächstes fuhren wir nach Ásbyrgi, einer hufeisenförmigen Schlucht, die auf unserem Weg zum Dettifoss lag. Eine Straße führt fast bis an die Schlucht heran und am Ende befindet sich ein kleiner Parkplatz, direkt an einem für Island sehr ungewöhnlichen Mischwäldchen. Durch den Wald führen mehrere kurze Wege bis ganz an die Steilwand heran zu einer Plattform, die an einen kleinen See gebaut wurde. Einige Enten waren hier unterwegs und leider auch wieder tausende Zuckmücken, was unseren Plan, hier etwas zu picknicken, leider zerstörte. Dieses verlegten wir dadurch kurzerhand ins Auto und machten uns dann auf den Weg zum Dettifoss, dem energiereichsten Wasserfall Europas. Leider war die eigentlich ausgebaute Strecke auf der Westseite (862) durch Bauarbeiten aus dieser Richtung komplett gesperrt. Also mussten wir den Dettifoss von der Ostseite anfahren und nahmen dafür die 864. Damit lagen die schlimmsten 32 km Fahrt auf Island vor uns.  Die Strecke war komplett mit diagonal verlaufenden Furchen übersät, die den kleinen Jimny und uns ordentlich durchrüttelten. Nach wenigen Kilometern schmerzte schon der Nacken und das obwohl die Strecke keine Geschwindigkeiten über 40 km/h zuließ. Und wenn ich die Grenze dann doch mal überschritten hatte, wies mich ein plötzlich auftretendes Kiesbett bestimmt auf diesen Fehler hin. Irgendwann erreichten wir ein Gebiet mit dunkelrotem Gestein und die Strecke gabelte sich. Wir nahmen mit Vergnügen den Abstecher von der Hauptstrecke rechts ab zu einem kleinen Parkplatz (Google Maps Link dorthin). Es war eiskalt dort oben und so waren wir sehr froh, dass wir den ganzen Urlaub schon ein paar zusätzliche Jacken für diesen Fall im Auto lagerten. Nach ein paar Metern Fußweg eröffnete sich uns dann ein grandioser Blick auf die Ebene um den Hafragilsfoss, dem kleinen Bruder des Dettifoss (27 m Fallhöhe).

Panoramablick über die Ebene des Hafragilsfoss

Hier treffen sich sauberes Quellwasser aus den Bergen und die schlammige Brühe des Flusses Jökulsá á Fjöllum, die bereits den Dettifoss und den Hafragilsfoss heruntergestürzt ist. An diesen Ort wären wir von der anderen Seite überhaupt nicht herangekommen. Deswegen konnten wir der katastrophalen Straße später doch auch etwas Positives abgewinnen.

Sauberes Quellwasser aus den Bergen trifft die schlammige Brühe des Flusses Jökulsá á Fjöllum

Nur ein paar Autominuten später erreichten wir dann auch unser eigentliches Ziel, den Dettifoss. Der Parkplatz liegt ein paar Meter vom Wasserfall entfernt, also ging es von dort aus zu Fuß weiter. Der Dettifoss ist auf der Ostseite noch deutlich naturbelassener als auf der gegenüberliegenden Westseite, die komplett mit Holzstegen bebaut ist. So kamen wir schließlich bis auf wenige Meter an die Kante heran, was schon ein mulmiges Gefühl hervorruft.

Die Wassermassen des Dettifoss

Als wir uns schließlich satt gesehen hatten an diesen Naturgewalten traten wir die Heimfahrt an. Uns standen weitere 30 km auf der 864 bevor, bis wir wieder die asphaltierte Ringstraße erreichten. Mit einem Suzuki Jimny können wir diese Route niemandem guten Gewissens empfehlen, aber im Nachhinein überwiegen für uns auf jeden Fall die tollen Erinnerungen.

 

Tag 8: Myvatn, Pseudokrater, Grjótagjá, Myvatn Nature Bath

Den nächsten Tag wollten wir wieder etwas ruhiger angehen lassen. Deswegen hatten wir uns vorgenommen, die Region rund um den Myvatn zu erkunden und später dann in den heißen „Quellen“ des Myvatn Nature Bath zu entspannen.

Als erstes stoppten wir bei Skútustadir am Nord-Ostufer des Myvatn. Hier gibt es ein paar abgesteckte Wege, über die man die Pseudokrater begehen kann. Pseudokrater entstehen, wenn heiße Lava über ein Feuchtgebiet fließt. Das Wasser verdampft und durchbricht die Lavadecke, wobei Grundmaterial mit an die Oberfläche gefördert wird. Dieses lagert sich kreisförmig um die Ausbruchsstelle ab. Zum Teil sehen die Pseudokrater tatsächlich aus wie kleine Miniatur-Vulkankrater.

Die Pseudokrater des Myvatn

Auf der gegenüberliegenden Seite des Myvatn liegt das Fuglasafn Vogelzentrum, wo wir uns einen Mittagssnack gönnten. Es gab geräucherte Forelle auf süßem Schwarzbrot und schmeckte einfach köstlich. Von hier aus konnten wir zudem diverse Vögel und Enten beobachten, die sich rund um das Vogelzentrum aufhielten. Im Anschluss setzten wir unsere Fahrt rund um den See fort, und kamen schließlich wieder an unserem Ausgangspunkt an. Ganz in der Nähe vom echten Vulkankrater Hverfjall sollte sich eine begehbare Grotte mit dem Namen Grjótagjá befinden, die heißes Quellwasser beheimatet. In meiner Recherche vor dem Urlaub hatte ich anscheinend alte Berichte gelesen, die von einem längeren Fußweg hierhin berichteten. Nachdem wir etwas in der Umgebung herumgeirrt sind, fuhren wir zuerst ergebnislos und enttäuscht weiter, fanden aber etwas später einen Wegweiser direkt an der Straße, der uns geradewegs zur Grotte Grjótagjá führte. Die „Game of Thrones“-Fans unter euch werden die Location vielleicht kennen, denn hier soll eine prickelnde Liebesszene gedreht worden sein. Diese Tatsache hat anscheinend dazu geführt, dass dieser Ort nun eine eigene Zufahrtsstraße samt Parkplatz bekommen hat. Die Grotte selber liegt unter einem aufgebrochenen Lavapanzer und der Einstieg ist an zwei Stellen möglich und wirklich lohnenswert.

Die Grotte Grjótagjá

Von hier aus fuhren wir geradewegs zum Myvatn Nature Bath. Mineralisches Wasser aus einem Bohrloch des nahegelegenen Wasserkraftwerks wird hier in die künstlich angelegte Senke gepumpt und hat ganzjährig eine Temperatur zwischen 38 und 40°C. Die Mineralien im Wasser sorgen für eine natürliche Desinfektion des Wassers und lagern sich am Boden und an den Wänden des Beckens ab, wodurch diese recht glitschig werden. Da das Bad etwas höher gelegen ist, lässt sich von hier aus wunderbar die umliegende Natur genießen. Ein besonderer Clou ist, dass man Getränke direkt ans Becken bestellen kann. Am Eingang kann sich jeder ein Bier, einen Wein oder sonstige Softdrinks ordern und später im Wasser genießen. Sowas wäre in Deutschland wohl kaum denkbar. Aber die Isländer wissen eben, wie man den Moment genießt.

Das Myvatn Nature Bath

Wir verbrachten einige Stunden im Wasser und machten uns kurz vor 11 Uhr abends tiefenentspannt auf den Heimweg. Da die tief stehende Sonne die Umgebung gerade wundervoll beleuchtete, nahmen wir nicht den direkten Weg über die Ringstraße, sondern die Panoramaroute 848 über die Ostseite des Myvatn.

Das Myvatn Ufer im letzten Licht des Tages

Gegen 0:30 Uhr waren wir wieder am Gästehaus, wo die Sonne gerade hinter den Hügeln verschwand.


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