Island Reisebericht (2): Die Ostfjorde

Eingetragen bei: Island, Reiseberichte | 0

Bis in die Ostfjorde Islands verirrt sich üblicherweise keiner der 3-Tages-Touristen mehr. Ab hier trifft man, wenn überhaupt, nur noch die Roadtrip-Reisenden oder ab und an einen Backpacker. Dabei haben die Ostfjorde landschaftlich einiges zu bieten und bescherten uns einen der unvergesslichsten Island-Momente – das ersehnte Aufeinandertreffen mit den Papageientauchern.


Tag 4: Weg zur zweiten Unterkunft Saxa Guesthouse, Vík, Jökulsárlón
Tag 5: Ostfjorde erkunden, Papageientaucher in Borgarfjördur

 


Hier geht es zur Galerie mit mehr Bildern vom Süden und Osten Islands.


Tag 4: Weg zur zweiten Unterkunft Saxa Guesthouse, Vík, Jökulsárlón

Unseren 4. Tag auf Island verbrachten wir hauptsächlich mit der Fahrt zu unserer zweiten Unterkunft. Das Saxa Guesthouse befindet sich in Stöðvarfjörður, einem der ersten Ostfjorde. Wir hatten am Vortag noch abgeklärt, dass wir auch später als 18 Uhr einchecken können und mussten uns deswegen nicht so sehr beeilen, wie wir ursprünglich dachten. Das Saxa Guesthouse liegt nämlich stolze 581 km Wegstrecke vom Nordheimar Guesthouse entfernt, was Google Maps mit einer Fahrtzeit von etwas über 7 Stunden angibt. Die letzten Tage hatten aber gezeigt, dass die „ganz kurzen“ Fotostopps, die wir überall eingelegt hatten, verdammt viel Zeit kosten.

Also machten wir uns ohne große Pläne auf den Weg gen Osten. Die ersten zwei Stunden der Strecke kannten wir ja bereits von gestern. Am Seljalandsfoss hielten wir aber trotzdem nochmal. Zum einen, weil es hier Toiletten gab und zum anderen, weil das Wetter etwas besser war als am Vortag. Deswegen wollten wir auch nochmal eine Runde hinter dem Wasserfall entlanglaufen. Diesmal packte ich das Fisheye an meine Kamera, in der Hoffnung damit die gesamte Ebene aufs Bild zu bekommen.

Die gesamte Ebene des Seljalandsfoss

Nach diesem kurzen Zwischenstopp fuhren wir dann weiter. Hinter Dyrhólaey hielten wir in Vík und gingen hier zum Strand, wo eine weitere Steilklippe in den Himmel ragte und einigen Vögeln eine Heimat bot. Auch hier konnten wir die Papageientaucher wieder nur im Flug und in sehr großer Entfernung auf dem Wasser beobachten. Auf der Weiterfahrt zur Gletscherlagune Jökulsárlón durchquerten wir die unterschiedlichsten Landstriche. Schier endlose Lava- und Lupinenfelder wichen plötzlich einer lebensfeindlich wirkenden Landschaft, deren Wirkung durch den Wetterwechsel hin zu dunklen Wolken und heftigem Wind nur noch verstärkt wurde. Durch diesen Landstrich fließen bei der Gletscherschmelze unfassbare Mengen an Schmelzwasser und Eisbrocken Richtung Meer. Aus diesem Grund ist diese Region Islands auch nicht mehr besiedelt.

Eine lebensfeindliche Gegend auf dem Weg zur Gletscherlagune Jökulsarlon

Als wir dieses Gebiet durchquert hatten, erwartete uns bereits wieder die Sonne, die die Gletscherlagune regelrecht erleuchtete. Jökulsárlón ist ein Gletschersee, in dem vom Gletscher gekalbte Eisberge so weit abschmelzen, bis sie durch den engen Zugang zum Meer passen und hinausgetrieben werden. Dabei entstehen beeindruckende Eisskulpturen. Direkt gegenüber der Lagune befindet sich ein wiedermal schwarzer Strand, der Ice Beach oder auch Diamond Beach genannt wird, da hier das herausgetriebene Eis zum Teil wieder durch die Strömung angeschwemmt wird.

Gegenüber der Gletscherlagune befindet sich der Diamond Beach. Hier werden die Eisbrocken wieder angeschwemmt

Im Anschluss ging es dann weiter Richtung Ostfjorde. Als wir dort ankamen, präsentierten sich diese bei bestem Wetter. Da auch der Wind mitspielte, eröffneten sich uns herrliche Spiegelungen im Fjord.

Panorama bei Windstille in den Ostfjorden

Kurz bevor wir dann am Saxa Guesthouse angekommen waren, sahen wir auf einer Weide neben der Straße überraschenderweise zwei Rentiere grasen. Damit hatten wir gar nicht gerechnet, da wohl eine gehörige Portion Glück vonnöten sein soll, um die Tiere in den Sommermonaten zu Gesicht zu bekommen. Anscheinend war uns dieses Glück vergönnt.

Rentiere in den Ostfjorden

Glücklich und zufrieden aufgrund der Eindrücke erreichten wir kurz vor Mitternacht unsere nächste Schlafgelegenheit. Die Betreiberin des Saxa Guesthouse empfing uns nach vorheriger Absprache auch zu dieser späten Stunde noch. Mit ein paar Brocken Englisch und viel Gestik zeigte sie uns noch kurz das Haus und unser Zimmer, welches sich sehr geräumig über zwei Ebenen erstreckte. Lediglich das Bad hätte eine etwas bessere Ausstattung verdient gehabt. Ein toller Ausblick auf den Fjord beendete einen weiteren langen Tag.

Der Blick aus dem Fenster unserer zweiten Unterkunft

Tag 5: Ostfjorde erkunden, Papageientaucher in Borgarfjördur

Am 5. Tag begrüßte uns der Fjord mit dichtem Nebel, durch den wir nicht einmal die Umrisse der gegenüberliegenden Hügel erahnen konnten. Aufgrund des trüben Wetters und des anstrengenden Anreisetages frühstückten wir an diesem Morgen etwas länger, bevor wir uns an die Erkundung der Ostfjorde machten. Unser grobes Ziel war es, die Straße an den Fjorden entlang zu fahren und später in Egilsstadir Halt zu machen. Wir waren etwas geschafft von der Anfahrt am Vortag und folgten deshalb an einem Parkplatz nahe Fjardabyggd einem Wanderpfad um uns ein wenig die Beine zu vertreten. Auf dem anschließenden Weg nach Egilsstadir brach der Himmel langsam auf und die Sonne kam durch. Nachdem wir bei Salt Café & Bistro einen leckeren Burger zu einem guten Preis-/Leistungs-Verhältnis gegessen hatten, wollten wir noch nach Borgarfjördur. Hier sollte sich ein Vogelfelsen befinden, auf dem eine Papageientaucherkolonie nistet. Also nahmen wir die 70 km Anfahrt in Kauf in der Hoffnung endlich Puffins zu sehen. Und wir wurden nicht enttäuscht. Schon die Strecke dorthin war überwältigend. Die immer tiefer sinkende Sonne erfüllte die Landschaft mit einem tieforangen Licht.

Kurz vor Borgarfjördur

Von einer Anhöhe aus konnten wir schließlich in das Tal schauen und sahen in der Ferne Borgarfjördur liegen. Wir fuhren durch den Ort, weiter zum Hafen und noch bevor wir dort das Auto abgestellt hatten, flog schon der erste Papageientaucher an unserer Windschutzscheibe vorbei. Wir waren also definitiv am richtigen Ort. Die Holztreppen führten auf den Hügel hinauf, wo schließlich überall Puffins zu finden waren. Die kleinen Kerle sehen zwar ulkig aus, insbesondere, wenn sie fliegen, sind aber ausgezeichnete Flugkünstler und haben eine besondere Beutetechnik. Sie tauchen ins Wasser ein und bewegen sich mit den Flügeln fort. Den gefangenen Fisch klemmen sie mit der Zunge im Schnabel fest bis dieser gut gefüllt ist und sie die Beute in die Bruthöhle bringen. Hier in Borgarfjördur kommt man bis auf wenige Meter an diese beeindruckenden Vögel heran.

Wir waren so fasziniert, dass wir hier fast 2 ½ Stunden ausharrten, bevor wir uns gegen 23:30 Uhr auf die knapp zweistündige Rückfahrt begaben. Genug Zeit also dieses weitere Highlight gedanklich zu verarbeiten.


Hier geht es zur Galerie mit mehr Bildern vom Süden und Osten Islands.


Hinterlasse einen Kommentar